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Das Micia-Projekt – Grabungen und Forschungen in einem Kastellort des westdakischen Limes

Das römische Micia liegt am linken Ufer der Mieresch, nahe der heutigen Ortschaft Veţel. Das von Legions-Vexillationen eingerichtete Auxiliarlager befand sich in der Antike an der hinteren Befestigungslinie des westlichen dakischen Limes und diente neben der rein militärischen Nutzung auch als ein Verwaltungszentrum mit einem Benefiziarierposten und einer möglichen Zollstation.

Das in seiner letzten Ausbauphase ca. 6,5 Ha große Kastell weist eine ältere Holzbau- und eine jüngere Steinbauphase auf, seine Nutzungszeit dürfte vom früheren 2. Jh. (Eroberung Dakiens unter Kaiser Trajan) bis um 272 n. Chr. (Aufgabe Dakiens unter Kaiser Aurelian) gereicht haben. Das Lager wurde von Bautrupps der Legio XIII Gemina und wohl auch der Legio IIII Flavia Felix errichtet, als stationierte Einheiten sind u.a. die Ala I Augusta Ituraeorum Sagittariorum, die Cohors II Flavia Commagenorum, die Ala I Hispanorum Campagonum, die Ala I Gallorum et Bosporanorum und der Numerus Maurorum Micensium belegt. Als Besonderheit ist festzuhalten, dass Micia immer von mehreren Reiter- und einer Infanterieeinheit gemeinsam genutzt worden ist und damit neben den Legionslagern einer der größten Militärplätze Dakiens darstellt. Neben dem Militärlager finden sich in Micia auch umfangreiche Reste einer zivilen Überbauung. Zu nennen sind z.B. eine Thermenanlage und ein kleines Amphitheater.

Das wohl nie ganz aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden gegangene Wissen um die römische Besiedlung ist spätestens ab dem 18. Jahrhundert auch überregional bekannt gemacht worden. Eine systematische archäologische Erforschung erfolgte ab dem 19. Jahrhundert und besonders ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, allerdings gingen auch bis heute durch zahlreiche Baumaßnahmen (Eisenbahnbau, Fabrikbauten) große Teile des archäologischen Bestands unbeobachtet verloren. Seit 2024 ist das Kastell von Micia und dessen ziviles Umfeld als Bestandteil des Dakischen Limes innerhalb des Welterbes „Grenzen des Römischen Reichs“ zum UNESCO-Welterbe ernannt worden. 

Seit 2020 wird das römische Micia im Rahmen eines Langzeitprojekts systematisch erforscht, das vom National Historischen Museum in Bukarest (MNIR), vom Museum der Dakischen und Römischen Zivilisation (MCDR) in Deva und vom Nationalmuseum in Klausenburg getragen wird. Zur Unterstützung des Projekts und insbesondere der laufenden Ausgrabungen vor Ort wurde erstmalig 2025 unter Federführung des Instituts für Archäologie in Bukarest mit dem Lehrstuhl für die Archäologie der Römischen Provinzen eine Kooperation vereinbart um im Rahmen einer Erasmus+ Förderung Studierenden des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln Grabungen und Forschungen vor Ort zu ermöglichen. Diese Förderung soll in den nächsten Jahren fortgesetzt werden und neben den Arbeiten in Micia umgekehrt auch rumänischen Studierenden/Dozierenden die Möglichkeit von Arbeiten/Forschungen in Köln zu ermöglichen.

Verantwortlich: Eckhard Deschler-Erb

Kooperationspartner: Mihaela Simion, Marius Neculae, Petra Savin (MNIR-Bukarest); Marius Barbu, Mihaela-Maria Barbu (MCDR-Deva)

Förderung: Erasmus+ (E+), European Solidarity Corps projects (ESC)

Abbildung:

Micia  – Blick auf den Kastellvicus mit Thermenanlage und Amphitheater (Micia Simion, MNIR-Bukarest)