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Forschung aktuell

Die befestigte späteisenzeitliche Flachlandsiedlung von Kerpen-Manheim. Das Rheinland am Übergang von der Präh- zur Historie

Die befestigte späteisenzeitliche Flachland-Siedlung von Kerpen-Manheim im Manheimer Erbwald (BM 153) konnte bisher nur in kleinen Teilen ergraben werden. Da durch den voranschreitenden Braunkohle-Tagebau bis 2022 der totale Verlust dieser Anlage droht, ist eine vollständige Erforschung dringlichst geboten.

Dank einer Finanzierung durch die „Stiftung Archäologie im Rheinischen Braunkohlerevier“ war es im September 2020 möglich, im Rahmen einer Lehrgrabung der Archäologie der Römischen Provinzen den ersten Teil einer umfassend geplanten Ausgrabung bzw. Erforschung des Erdwerks von Kerpen-Manheim anzugehen.

Die Grabung fand vom 31. August bis zum 2. Oktober vor Ort unter der Leitung von Stephanie Braun und Stefan Pircher; vom 7. bis zum 29. September waren insgesamt auch 14 Studierende des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln dabei. Für viele der Studenteninnen und Studenten handelte es sich um die ersten Erfahrungen im Bereich der Feldarchäologie. Unter kundiger Anleitung konnten sie sich in alle Aspekte einer Ausgrabung einarbeiten, angefangen mit der korrekten Nutzung des Grabungsgeräts, weitergeführt mit der analogen und digitalen Dokumentation der Befunde bis hin zur vollständigen Erfassung der Funde (Waschen, Bestimmen, Zeichnen). Erschwerend kam in diesem Jahr dazu, dass natürlich auch die strengen Corona-Regeln eingehalten werden mussten. Dies umfasste u.a. eine ausführliche Verwendung von Desinfektionsmittel, Arbeiten in angemessenem Sicherheitsabstand, Pausen in kleinen Gruppen sowie eine möglichst getrennte An- und Abreise zum Grabungsort.

Im Rahmen dieser ersten Grabungskampagne im Erdwerk von Kerpen-Manheim (HA 2020/0022) stand vor allem dessen Verteidigungs-Graben im Mittelpunkt der Arbeiten. Dieser konnte auf der gesamten Länge des Grabungsschnitts ausgehoben und dokumentiert werden. Im Querschnitt wannenförmig, war er im Durchschnitt gegen 2-2,5 m breit und maximal 0,7-0,8 m tief erhalten. Als Verfüllung diente mehr oder weniger einheitliches Erdmaterial, das evtl. vom ehemals hinter dem Graben befindlichen Erdwall stammen könnte. Weitere Strukturen auf der Fläche waren eher spärlich nachweisbar und bis auf eine mutmaßliche Grube am ehesten in nachantike Zeit zu datieren.

Von der Grabenverfüllung wurde eine Erdprobe zum Zweck der späteren Feinschlämmung aufbewahrt. Darüber hinaus erbrachte diese Füllung erfreulich viel Keramik, die bereits vollständig gewaschen und bestimmt werden konnte. Das Material ist einheitlich und umfasst einheimische Ware der späten Eisenzeit (LT C/D). Gewisse Formen (Töpfe mit einwärts geneigtem Rand) weisen auf einen Datierungsschwerpunkt in der spätesten Eisenzeit (LT D) hin. Neben Keramik fanden sich im Graben auch noch größere Eisenschlacken, die am ehesten wohl auf Schmiedearbeiten hindeuten.

Verantwortlich: Prof. Dr. Eckhard Deschler-Erb

Koordination: Ing. Stefan Pircher MAStephanie Braun M.Sc.

Kooperationspartner: LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / Außenstelle Titz (Dr. Udo Geilenbrügge / Dr. Martin Grünewald)

Förderung: Stiftung Archäologie im Rheinischen Braunkohlerevier (2020, geplant bis 2022)

Studierende Teilnehmer*innen: Marius Alexander Berger, Ronja Eckardt, Nina Gauer, Lotte Hahn, Hanna Holtey, Eleni Karageli, Tristan Karl, Maximilian Kokus, Tabea Mertens, Charly Moes, Katharina Przybilla, Lara Schroeter, Wolf Robert Maximilian Spitzbarth, Hannah Windelschmidt